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KRUSE

Sehe Tätowieren als Handwerk und Ausdrucksform. Übe dieses Handwerk jetzt seit 1995 professionell aus, plus ein Jahr in der Wohnstube, dort auch mit Maschinchen und nicht mit Messer & Gabel. Ich mag das grosse Business um die Tattooszene nicht, bin eher ein Freund der Ruhe und des abgeschiedenen Arbeitens. Für mich kommt eher in der Ruhe die Kreativität zum tragen. Versuche mir also für den Einzelnen mehr Zeit zu nehmen, als es üblich ist. Ansonsten lasse ich meine bescheidenen Bilder für mich sprechen.
Ohne jemanden zu kennen, ist es schwer, in der modernen Zeit, sich jemandem anzuvertrauen.Viel Trug und leere Versprechungen dort draußen. Vorweg, ich bin kein Verkäufer, kein Krämer der verspricht. Einen Dienst ich biete und mit reinem Herzchen vertreten kann. Das was das jeweilige Anliegen oder Begehr ist, ich versuche nach bestem Gewissen zu realisieren. Es ist schwer, heut seinen Glauben an Ehrlichkeit zu bewahren. Diesen Weg ich nun seit über elf Jahren beschreite. Ich hoffe nur, dass in dieser Zeit des Überangebots und der Verkäufer und des Truges ein wenig das ehrliche Handwerk überlebt. Ich wollt stets durch Leistung werben und nicht in Talkshows mich preisen. Kein Bild von mir abgeben, was nicht real existiert. Also ohne zuviel Worte zu machen, schaut Euch an, was er kann und urteilt selbst, ob es die Eure Richtung anspricht.
Über den Sinn einer Tätowierung
Für jeden der vielzähligen Menschen, die sich in ihrem Leben ein oder mehrere Bilder in die Haut bringen lassen, gibt es für mich viele ersichtliche Beweggründe.
Man könnte denken, dass viele dieser Leute nach Klischees handeln. Für mich geht die Sache aber etwas tiefer ins eigene Ich hinein. Es hat gewiss mit der schwierigen Suche nach der eigenen Identität zu tun.
Aus meiner Sicht sind Menschen, die sich zu einer grösseren Sammlung entschieden haben, eventuell ein Stück weiter gelangt mit ihrer Entdeckung des eigenen Ichs. Der eine versucht ein wenig seine kämpferische Haltung zum Ausdruck zu bringen, ein anderer nutzt die Bemalung als Gestaltung seiner Person als individuelles Einzelstück.
Es gibt so viele Denkweisen, über die man natürlich nicht bewusst nachdenkt, die einen doch irgendwie mit beeinflussen, auf dem Weg sein Leben mit Verzierungen zu bereichern. Die Meinungen, die ich zum Teil meiner Arbeit entnehme, gehen so vielseitig auseinander, dass es schwer ist, einen klar definierten Nenner dafür zu finden. Die Menschen, die einen gewissen Körperkult betreiben und mit Bemalungen ihre eigene Ausdrucksform gefunden haben, haben letztendlich aber alle eine andere Aussage, die sie in ihre Auswahl von Motiv und Stelle hinein denken.
Zuviel dieser Gedankenvielfalt erlebt man doch teilweise in anderen Richtungen, wie z.B. beim Bodybuilding oder anderen Formen der Gestaltung seines eigenen Ichs.
Nun will ich nicht so weit gehen, zu sagen, dass der schwer bemalte Mensch versucht, seine Seele auf der Haut auszudrücken. Jedoch enthält dies etwas über den Kampf und sein Leben, sowie die Suche nach Identität und den Sinn in seinem Leben.
Für einen einfachen, soliden Denker ergibt dies trotz langsam wachsender, gesellschaftlicher Akzeptanz, immer noch das Bild vom bösen Randgruppenmenschen. Die bemalten Leute, die man ja doch irgendwie auch in eine Art Szene deuten kann, sind für mich Leute, die versuchen, ihre gesammelte Erfahrung und ein klein wenig ihres sozialen Standpunktes mit zum Ausdruck bringen.
Für mich sind diejenigen "dieser Szene" eher unwichtig, die man im Allgemeinen als Mitläufer bezeichnet. Sie finden ihre Erfüllung schon darin, sich mit allerlei Farben zu schmücken, um letzten Endes auch nur ein oberflächliches Bild von sich abzugeben. Für die Menschen, für die Tätowierungen eine Modephase oder Trendysache sind, kann ich nicht sprechen. Sie sind nicht so sehr Gegenstand meiner Gedankenwelt. Für diese Leute scheint nur zu zählen, wie bunt und glamourös ihr Hautschmuck sich zeigt.
Da es in dieser Tätowierszene ja ebenfalls ein richtiges Buisness gibt, kann es mir auch egal sein, welche Götzen und Popstars sie haben. Die Gesellschaft greift halt selbst in diese kleine, bunte Welt langsam mit ein.
Als kleine Schlussfolgerung sehe ich nur noch den Weg der Streiter, die sich mit ihrem "Tun" wirklich auseinander setzten. Aus meiner Sicht stellen sich diese Menschen nicht über irgend jemanden, sondern isolieren sich bewusst von dem gesellschaftlichen Normalitätsgefühl. Nur wenn ich bereit bin, mich zu isolieren, mich mit meiner Welt befasse, mich mit ihr auseinander setzte, komme ich mir und meiner gewählten Ausdrucksform etwas näher. Was man damit erreicht, ist eine andere Sichtweise gegenüber der gesellschaftlichen Norm. Ich sehe es als Möglichkeit, meine eigene Welt zu sehen und zu versuchen, sie zu verstehen.
"Isolation" ist eventuell auch Auszeit, von dieser schnellen Gesellschaft, in der jeder so oder so zu funktionieren hat. Diese Auszeit kann man für sich nutzen, sich eigene Werte schaffen, wie sie auch immer für den einzelnen aussehen werden. Viel Spielraum gibt es nicht. Diese Richtung der Isolation oder der absoluten Entscheidung meinen Weg so zu gehen, habe ich für mich getroffen.
So lässt sich für mich mein Beweggrund zur dezenten Körperbemalung erklären.
Nur die Leute, die ihrer eigenen Identität fern sind, können so etwas gewiss nicht verstehen. Wenn jemand sein eigenes Ästhetikgefühl entwickelt, ist dies schon wieder mal zu weit von der Normalität der Gesellschaft entfernt. Wenn man mal darüber nachdenkt, wie viele Entscheidungen in unserem Leben von "erziehenden Massnahmen" beeinflusst werden...
Also für mich als definitive Entscheidung, die mir niemand nehmen kann oder entgegen aller Vernunft die die Eure ist, lasse ich mich bemalen und stelle mich in einen Raum, den ich mir selbst geschaffen habe.
Es liegt bei Euch, mit der Angst zu leben, hinein zu gehen. |